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50 Stimmen für ein Halleluja
Jubiläum / Warum der Kirchenchor der Gemeinde
"Zur Heiligen Familie" auch mit 90 Jahren noch relativ jung ist.
Ein Geburtstagsständchen singt man sich nicht selbst. Als 50 Leute am Freitag, 18. November, um 19 Uhr in der Kirche „Zur Heiligen Familie“ ein donnerndes Jubellied anstimmen, war das etwas anderes. Dann ertönten die Stimmen des Kirchenchores der Gemeinde zur eigenen Jubiläumsmesse. Denn seit 90 Jahren singen hier Männer und Frauen zur Ehre Gottes - und zur Freude der Gemeindemitglieder. Bemerkenswert: Trotz Kirchenkrise sind die Mitgliederzahlen auf der Margarethenhöhe stabil - und das Durchschnittsalter der Sänger für einen dermaßen betagten Chor relativ jung. Warum?
„Singen macht Spaß, die Gemeinschaft verbindet, wir sind eine tolle Truppe“, findet Gerd Arno van Beek, Vorsitzender des Chores - und der Chronist. Er weiß zu berichten, dass es die katholische Sangesgemeinschaft schon gab, als die Pfarrei noch gar nicht existierte. 1921 war das und damals war es nur Männern vergönnt, ihre Stimme im Gotteshaus zu erheben. Fünf Jahre später durften auch Frauen einstimmen. 29 Sänger und 19 Sängerinnen zählt denn auch der erste erhaltene Jahresbericht aus dem Jahr 1938 auf. „Die Gesamtzahl hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert“, so van Beek. Doch heute geben bei den 50 Chor-Aktiven die 38 Damen deutlich den Ton an. „Es ist anders als am Anfang: Heute suchen wir Männerstimmen.“
Dabei kann Gerd Arno van Beek sich über Nachwuchsmangel weniger beklagen als andere Vorsitzende, gehört doch der Kirchenchor auf der Höhe vom Durchschnittsalter zu den jüngsten im ganzen Bistum. „Die Leute sind nett, ich singe gerne und zusammen singen macht einfach mehr Spaß“, erklärt Barbara Kullmann, mit 34 Jahren das jüngste Chormitglied. Das wiederum freut „alte Hasen“ wie Karl Josef Mathias, der seit 51 Jahren und über 1000 Proben im Bass singt – und im Chor seine Frau kennenlernte: „Es ist schön, wenn junge Leute Spaß an der Kirchenmusik haben.“
Doch Chor ist mehr als purer Spaß. „Regelmäßiges Singen stärkt das Immunsystem und hilft beim Stressabbau“, erklärt Judith Borbonus mit einem Schmunzeln. Die Kirchenmusikerin leitet den Chor seit Januar. Neben dem praktischen Nutzen steht für sie eins im Vordergrund: „Musik ist wie kaum eine andere Kunst imstande, unsere Tiefenschichten zu bewegen. Chormusik kann das zum Ausdruck bringen, was wir nicht in Worte fassen können. Der Gesang im Gottesdienst verstärkt das Lob, den Dank und die Bitten.“ Und das hören die Gemeindemitglieder nicht nur vom Kirchenchor. Auch ein Jugendchor, ein Kinderchor, eine Choralschola, ein junger Projektchor und die Band „Werktagskapelle“ gestalten das Musikleben der Gemeinde.
Neben der reinen Freude am Singen engagieren sich die Chormitglieder auch wegen der festlichen Gottesdienste und besonderen Konzerte.
Ein Schmankerl: Seit 15 Jahren ziehen sie am zweiten Sonntag im Advent durch den Stadtteil, singen an Plätzen, um die Zuhörer auf die Adventszeit einzustimmen. Am Ginsterweg probte der Chor doch nur für eins: die Jubiläumsmesse. Die fand am 18. November in der Kirche "Zur Heiligen Familie" statt. Hier wurde dann mehr als ein Ständchen zum eigenen Geburtstag gesungen. Gemeinsam mit Solosängern und einem kleinen Orchester stand die Missa brevis in B von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm. Und eben das Jubellied „Laudate“ von Johann Sebastian Bach.
Aber noch etwas wird im Chor ganz groß geschrieben: Gemeinschaft. Chorwochenenden mit den Familienangehörigen, Karnevalsparty und Cäcilienfest: „Im Grunde ist ein Chor eine große Familie. Und wenn die zusammenkommt, wird gefeiert“, so Chorleiterin Borbonus. Wer weiß: Vielleicht beschert dem Chor doch das gemeinsame Glas nach der Probe sein stattliches Alter. Jedenfalls steht für den Vorsitzenden van Beek fest: „Wir werden hoffentlich noch viele Jahre singen - zum Lob Gottes und zur Freude der Menschen.“ (mik / Foto: Olaf Stroux)
