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"Hejo, spann den Wagen an ..."

 ... so klang es aus vielen tausend Kehlen am Tag des „Day of Song“, zunächst ein wenig unsicher, im Laufe des Tages immer fröhlicher, immer mitreißender. Dieser kurze Kanon wurde zum Ausdruck der Freude und der Gemeinschaft vieler Menschen.

Ja, wie unsicher waren wir Sängerinnen und Sänger doch alle als im Frühjahr 2008 ein Brief vom Kulturhauptstadtbüro aus Essen kam. Da wurde doch tatsächlich angeregt, am 5. Juni 2010 einen „Day of Song“ für TeilnehmerInnen aus dem ganzen Ruhrgebiet durchzuführen mit einem Abschlusskonzert auf Schalke, an dem mit 65.000 Leuten gesungen werden sollte.

Unmöglich! Auf solange Zeit kann ich mich nicht festlegen! Das ist noch solange hin! Das klappt sowieso nicht! Viel Geduld mussten die Multiplikatoren aufbringen, um die Chöre zum Mitmachen zu animieren. Ganz schnell wurde das Thema „ad acta“ gelegt. Aber siehe da: Ein Jahr später kamen die Noten für die auf Verdacht angemeldeten Sängerinnen und Sänger. Ein ganz dickes Paket von fast 150 Seiten sollte da bewältigt werden. Und unsere „normale“ Arbeit? Proben für viele Gelegenheiten in unserem Choralltag? Soll das alles hinten an gestellt werden? Mancher Chorleiter hat sich da die Haare gerauft. Dennoch nicht locker lassen: Proben, proben, proben... war angesagt und immer wieder neu motivieren.

Und dann der 5. Juni, der „Day of Song“:

Hervorragend hat die Werbung in den Medien und bei der Mund-zu-Mund-Propaganda geklappt. Ganz viele Menschen bekamen auf einmal Lust, sich am Singen zu beteiligen. Ja, wenn das so ist: Singen auf den Straßen und Plätzen, in den Kaufhäusern, in den U-Bahn-Stationen, selbst in den Zügen und auf dem Kanal. Mit Gesang Freude machen und zum Singen animieren in den Krankenhäusern Altenheimen, Kindergärten und und und. „Da gehe ich auch hin, da mache ich auch mit“, dachten sich immer mehr. Es wurde in vielen Städten des Ruhrgebietes ein ganz toller Tag mit vielen gutgelaunten Menschen, die meisten mit einem Lied auf den Lippen.

Unser Chor, der am Morgen in einem Seniorenwohnheim in Bochum ein Offenes Singen veranstaltet hatte, machte sich sofort anschließend auf den Weg nach Schalke. Frohe Menschen in den Straßenbahnen begegneten uns, viele „Spielfeldchöre“ wie wir, das waren die Chöre die lange mehrstimmig geprobt hatten, fuhren mit uns, man traf sich, man sah sich, man freute sich. Auf Schalke wurden wir mit einem Top-Service erwartet, man hatte für uns an alles gedacht und sich auf uns gefreut, das war deutlich zu spüren. Getreu dem Motto: „Hejo, spann den Wagen an“, wurde noch einmal kräftig geprobt. Aber was erwartete uns dann um 20.30 Uhr als zum Abendkonzert gerufen wurde? Eine volle Halle mit über 60.000 begeisterten Menschen: Menschen wie Du und Ich, Groß und Klein, Jung und Alt, AlltagssängerInnen, ChorsängerInnen, Solisten und einen vor Charme sprühenden Dirigenten Steven Sloane. Das musste was werden und das wurde was! Soviel zündende Begeisterung, soviel Freude, soviel tolle Musik ist nicht alle Tage zu erleben. Es wurde ein mitreißendes Konzert und ein toller Gesang sowohl von der Bühne, als auch aus dem Spielfeld und von den Tribünen. Am Ende natürlich begeisterter Applaus! Froh machten wir uns auf den Heimweg. Geduldig und singend wurde auf Einsatzwagen der Straßenbahn gewartet. Wenn uns kein Lied mehr einfiel. „Hejo, spann den Wagen an“, ging immer! Ein toller Tag, ein unvergessliches Erlebnis!

Yehudi Menuhin hat einmal gesagt: „Die Musik spricht für sich allein, vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance“. Uns hat wurde die Chance der Musik, des Gesanges gegeben, wir haben sie genutzt und sie wurde für uns zu einem Geschenk.

(Ein Erfahrungsbericht von Dr. Maria Petermeier, Chor der Probsteikirche, Bochum)