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70 Jahre im Dienste der Musica sacra
Beim alljährlichen Cäcilienfest ehren die Kirchenchöre verdiente Sängerinnen und Sänger für ihren jahrzehntelangen, treuen Einsatz für die Kirchenmusik. So ist es auch in Essen-Frintrop beim Kirchenchor St. Josef üblich.
Acht Jubilare durften sich im vergangenen Jahr über Ehrenurkunden, Ehrennadeln, Plaketten und kleine Aufmerksamkeiten freuen. Also alles wie in jedem Jahr? Nein, so war es diesmal nicht. Die Kirchenchormitglieder erlebten beim letzten Cäcilienfest eine Ehrung, die es in der fast 133-jährigen Chorgeschichte bisher erst ein Mal gegeben hat.
Johannes Saxe, der älteste Sänger des Kirchenchores, wurde für 70 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt. Ein Jubiläum der besonderen Art.
Die liegt unter anderem auch darin, dass der Jubilar keinerlei sängerische Ermüdungserscheinungen erkennen lässt. Die Proben an jedem Donnerstag sind für ihn ein Pflichtprogramm. Selbst bei den Sonderproben für das am 13. Februar 2011 anstehende große Chor- und Orchesterkonzert, in dem u.a. Arien und Chorsätze aus Haydn’s Schöpfung erklingen werden, ist er selbstverständlich anzutreffen. Die sonntägliche musikalische Gottesdienstgestaltung ist ihm ein Herzensanliegen. Seine besondere Liebe gilt dabei dem Gregorianischen Choral.
Die Einzigartigkeit dieses Jubiläums und der Einsatz von Johannes Saxe auch für viele andere Projekte in der Gemeinde waren für den Präses des Chores, Pfarrer Wolfgang Haberla, der Beweggrund, ihn im Rahmen des Gottesdienstes, mit dem der Chor sein Cäcilienfest begann, in besonderer Weise zu ehren. Zum Dank für seinen unermüdlichen Einsatz überreichte er dem Jubilar die „Josefs-Plakette“.
Bei der anschließenden Feier im festlich geschmückten Pfarrheim stellte der Vorsitzende des Chores den überragenden Einsatz von Johannes Saxe für den Kirchenchor St. Josef heraus. So hat er 15 Jahre lang als Vorsitzender die Geschicke des Chores mit Umsicht und Kreativität bestimmt, als Chronist in Festzeitschriften und Veröffentlichungen an der positiven Außendarstellung des Chores mitgewirkt, Chor- und Pfarrjubiläen und Konzertveranstaltungen entscheidend mit gestaltet und schließlich als Vizedirigent den Chorleiter im Bedarfsfall vertreten. Und weiter stellte Manfred Bunte fest: Als ältester Sänger des Chores sei Johannes Saxe zugleich einer der eifrigsten und aktivsten und sei mit seiner Pflichtauffassung seit 70 Jahren Vorbild im Chor. Bereits im Jahre 1980 habe ihn der Chor zum „Ehrenvorsitzenden“ ernannt.
Die stellvertretende Vorsitzende des Diözesancäcilienverbandes im Bistum Essen, Frau Gabriela Bade, hob bei ihrer Würdigung besonders die Mitwirkung von Johannes Saxe an der Entwicklung der überregionalen Kirchenchorsatzungen für das Bistum Essen hervor.
Trotz der Besonderheit dieses Kirchenchorsängerdienstjubiläums sollten die anderen sieben Jubilare nicht in den Hintergrund gerückt werden. So wurde Ingrid Genter für 60 Jahre aktiver Mitgliedschaft geehrt. Die Chormitglieder ernannten sie – wie auch Johannes Saxe – für ihren verdienstvollen Einsatz zu Ehrenmitgliedern des Chores. Für 50 Jahre musica sacra wurde Dietmar Tigges von Chorleiter, Norbert Möhrer, und vom Vorsitzenden, Manfred Bunte, geehrt. 25 Jahre sind Astrid Neidek und Fritz Klein dabei, und seit 10 Jahren gestalten Ulla Wilms und Ulrike und Norbert Beck die Kirchenmusik in St. Josef mit.
Bei den passiven Mitglieder Johannes Geisen (50 Jahre), Norbert Scherix (50 Jahre), Dieter Hoss (25 Jahre), Hilde Peitz (25 Jahre) und Astrid Plass (25 Jahre) durften der Vorsitzende und der Chorleiter sich für ihre finanzielle Unterstützung bedanken.
Zum Schluss der Jubilarfeier ließ es sich Johannes Saxe nicht nehmen, sich persönlich, aber auch im Namen der anderen Jubilare für die Ehrung zu bedanken. Er hob dabei besonders hervor, dass die Kirchenmusik ein wichtiger Teil seines Lebens sei, und er sein hohes Engagement zu keinem Zeitpunkt bereut habe.
Sein persönliches Fazit aus den 70 Sängerjahren fasste er wörtlich in den folgenden sechs Thesen zusammen:
1. Ich bedauere keine Minute, die ich im Chor geleistet und geopfert habe, wenngleich es mir bei Familie und Beruf nicht immer leicht gefallen ist.
2. Ohne den Chor wäre die Qualität meines Lebens um einiges ärmer geblieben.
3. Die vielfältigen Beziehungen und Begegnungen – auch feucht-fröhlicher Art – mit Generationen von Chormitgliedern haben mir vieles gegeben und mich menschlich bereichert. Da waren tolle Köpfe und Charaktere. Auch heute noch.
4. Ich habe im Chor auch die psychische Dimension des Singens erfahren, die Spannungen löst und Stress abbaut.
5. Ich weiß, dass mein liturgisches Mittun als Chorsänger vielen Menschen ihren Glauben feierlicher macht. Ein großer Gewinn für beide Seiten.
6. Mir selbst hat das Singen den Spruch des Heiligen Augustinus bestätigt: „Wer singt, betet doppelt“. Es ist doch beglückend, seinem Schöpfer mit den großartigen Werken der unsterblichen Tonschöpfer im Gesang preisen und danken zu dürfen.
Die absolute Stille während seiner Ausführungen wurde aufgelöst durch einen Riesenapplaus, bei dem sich alle zu Ehren der Jubilare von ihren Plätzen erhoben.
Nach diesem offiziellen Teil rundeten Gespräche im kleinen Kreis eine gelungene Cäcilienfeier ab. (M.B.)
