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Sinn durch Singen
Kirchenchöre gestern - heute - morgen
Kirchenchöre, -sänger und -musiker sind „die kleinen Leute“ im Musikleben unserer Gesellschaft. Auf einige Dom- und Spitzenchöre trifft das nicht ganz zu, aber für die allermeisten gilt es. Kein Top-Dirigent interessiert sich für sie. Wenn sie singen parkt vor der Kirche kein Auto mit dem Schild „Presse“ – und am nächsten Tag steht davon nichts oder nur selten etwas in der Zeitung. Meist sind sie nicht in dunklen Anzügen und Abendkleidern vor den Augen des Publikums postiert, um am Schluss huldvoll deren Klatschen entgegen zu nehmen. Der Chorleiter wüsste gar nicht, wo seine Verbeugung hingehen sollte. Auch den Blumenstrauß auf die Orgelbühne zu bringen – das sieht man eher selten.
Kirchenchöre können ihre Mitglieder nicht aus zig-, ja Hunderttausenden einer Großstadt aussuchen sondern nur aus 18 – 20 % Kirchentreuen unter ein- bis dreitausend Seelen ihrer Gemeinde. Da bietet es sich an, auf zu strenge Auswahlkriterien wie sehr gute Stimme, Notenkenntnisse oder gar vom Blatt singen können zu verzichten. Nein, man ist dankbar für jede und ganz besonders für jeden, der kommt.
Wie steht es um die freien Auswahl besonders interessanter alter wie neuer Musik? Ein fleißiger Kirchenchor tritt zu festen Terminen auf und an besonderen Feiertagen. Damit kommt er meist auf 12 und mehr Auftritte im Jahr. Da ist es nur allzu verständlich, dass kein Kirchenchor immer mit einem ganz neuen Programm aufwarten kann.
Auch auf die Wünsche der Gemeinde ist zu achten. Der Chor muss seine Stücke so wählen, dass die Texte und die Musik, ihr Charakter und auch ihre Länge in die Messfeier passen, und dass die Gemeinde sich im Wechsel mit dem Chor aktiv einschalten kann.
Das klingt vielleicht so, als sei das ein bedauernswertes Tun – die armen Kirchenchorsänger. Aber was so arm aussieht, ist reich an Sinn und echter Lebensfreude. Wer mit Kirchenchorsängerinnen und –sängern über lange Zeit zu tun hat, in der Mühsal ihrer Proben, in zahllosen Gottesdiensten, auf ihren Festen, der kann bezeugen: Sie sind mit Freude bei der Sache.
Es mag schön sein, in der Zeitung mit Blumen, durch Applaus gelobt zu werden; doch wie oft wird diese Freude durch Neid und MIssgunst verdorben. Gelobt werden macht selten glücklich. Tiefer ist die Freude bei einem, der anderen Freude bereitet. Kirchenchorsänger können das immer wieder erleben.
Manches singen sie, damit die Besucher vom Zuhören froh werden. Anderes singen sie im Wechsel mit den Zuhörern, um sie zum Mitsingen einzuladen. Wir halten uns dabei an eine Ordnung, die uns mit der Kirche der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft verbindet. Denn so ähnlich haben Menschen schon vor Jahrhunderten in der Kirche gesungen, und so werden sich auch in Zukunft Kirchenchorsänger präsentieren. Niemand kann sich etwas ausdenken, was mehr Sinn, mehr Bedeutung, mehr Gewicht hätte. Kirchenchorsänger sind von diesem Gefühl bei ihrem Tun getragen. Kein Wunder, dass sie sich bereichert fühlen - dass sie reich sind.
Kirchenchöre – es wird es auch weiterhin geben, überall wo Menschen so denken wie der Schreiber dieser Zeilen. Es lohnt sich, darüber ein wenig nachzudenken.
Konrad Leuer, Chorleiter St. Maximilian/Ewaldi, Duisburg-Laar
