Navigagtionspfad
Karwochentagung 2010
Gleich zwei hochkarätige Referenten konnten die 40 Teilnehmer der diesjährigen Karwochentagung für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker aus dem Bistum Essen erleben. Zu Beginn stellte Prof. Reiner Schuhen, Rektor der Kölner Musikhochschule und ehemaliger Bischöflicher Beauftragter für die Kirchenmusik im Bistum Essen, das neue, von ihm herausgegebene Chorbuch für 3 gemischte Stimmen des Carus-Verlags vor. Die trotz der Beschränkung der Stimmenzahl klangschönen und qualitativ hochwertigen Chorsätze teils mit, teils ohne Begleitung wurden im Teilnehmerkreis sofort ausprobiert und als entspannende Einlage über den ganzen Tag verteilt gesungen.
Das zweite, von Prof. Schuhen vorgestellte, ebenfalls im Carus Verlag neu erschienene Werk „Basiswissen Kirchenmusik“ ist ein ökumenisches Lehr- und Lernbuch in vier Bänden zur Grundausbildung und Berufsbegleitung evangelischer und katholischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Die vier Bände umfassen die Themenbereiche Theologie – Liturgiegesang, Chor- und Ensembleleitung, Musiktheorie – Liturgisches Orgelspiel und Orgelliteraturspiel – Orgelbaukunde. Darüber hinaus gibt es ein ausführliches Register mit einer großen Zeittafel, die die kirchenmusikalische Entwicklungen der allgemeinen Kulturgeschichte aus den verschiedenen Epochen gegenüberstellt. Eine DVD mit Dirigier-Workshop rundet das Kompendium ab und macht es neben seinem Lerneffekt zum nützlichen Begleiter im Praxisalltag des kirchenmusikalischen Berufs. Der 2. Band mit dem Bereich der Chor- und Ensembleleitung wurde von Reiner Schuhen herausgegeben.
Das Haupreferat der Karwochentagung beschäftigte sich mit Johann Sebastian Bachs H-Moll-Messe und dem Bacharchiv Leipzig. Referent war der Leiter der Forschungsabteilung des Bacharchivs, Dr. Uwe Wolf. Er berichtete vom Umzug des Bacharchivs in neue Gebäude und der Eröffnungsfeier des neuen Museums in diesem Jahr. Die gezeigten Fotos und Erläuterungen zur Konzeption des Museums erweckten bei den Teilnehmern große Lust, nach Leipzig zu fahren und das Museum zu besichtigen und zu erleben, was einige schon in den Osterferien genießen konnten.
Die H-Moll Messe bildet den Anfang von 15 geplanten Bänden der revidierten Neuen Bach Gesamtausgabe durch den Bärenreiter-Verlag. Die durch Tintenfraß und Notenausbesserung problemreiche Partitur wurde unter Mitwirkung der Bundesanstalt für Materialforschung erstmals auf die authentische autographe Textgestalt der Messe hin untersucht. Hierbei ließen sich unter anderem durch die genaue Untersuchung der Zusammensetzung der Tinte Eintragungen Johann Sebastian Bachs von denen seiner Söhne oder anderer Personen unterscheiden. Uwe Wolfs Neuausgabe der H-Moll-Messe bietet aufschlussreiche Erkenntnisse auf Basis dieser Untersuchungen und arbeitet diese in den Notentext ein. Kein geringerer als John Eliot Gardiner wird im Herbst dieses Jahres die H-Moll-Messe mit dem neuen Notenmaterial aufführen.
Stefan Glaser, der Bischöfliche Beauftragte für Kirchenmusik im Bistum Essen, bedankte sich bei den Referenten im Namen des Bistums. (St. G.)