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Chorgemeinschaft wäre fast 90 Jahre alt geworden

Ein Chor löst sich auf. Das ist keine einfache Sache, keine einfache Entscheidung und schon gar nicht leicht durchzuführen.

Der Kirchenchor von Maria Himmelfahrt in Maria Himmelfahrt, Abschiedsfoto
Duisburg-Hüttenheim kann auf fast 90 Jahre kir­chen­musikalischen Schaffens zurückblicken. Von 1951 bis 1991 leitete Leo Schuhen den Chor. Schuhen sorgte mit Jazzmessen in den 60er Jahren für viel Aufsehen und trug maß­geblich dazu bei, dass die Kirchenmusik einen neuen Weg beschritt und zwar den des „Neuen geistlichen Liedes“.

Auf Bistumsebene wurde unter Leo Schuhen der Sonderchor des Cäcilienverbandes im Bistum Essen gegründet, der unter anderem auf Katho­likentagen sang oder bei der Rückkehr von Bischof Dr. Franz Hengsbach nach seiner Ernennung zum Kardinal in Düsseldorf auf dem Flughafen. Fast der ganze Hüttenheimer Chor war Be­stand­teil dieses Sonderchores. Viele Gottesdienste, Messen, Konzerte, Veranstaltungen und Fahrten fanden in diesen 40 Jahren des Schaffens von Leo Schuhen statt.

Einen Nachfolger gab es in Andreas Rabeneck, der langjährig Schüler Schuhens war und als nebenamtlicher Chorleiter und Organist die musikalische Arbeit in Hüttenheim übernahm.
Auch unter seiner Leitung behielt der Chor sein vielseitiges Wirken bei. Auf Pfarr- und Deka­nats­ebene wirkte man weiterhin sehr aktiv mit. Im Jahr wurden bis zu 25 Messen und weitere Veran­stal­tungen mitgestaltet.

Durch die Umstrukturierung im Bistum mit der Notwendigkeit zu Einsparungen wurde Maria Himmelfahrt 2007 zu einer weiteren Kirche und für regelmäßige Gottesdienste geschlossen. Die Möglichkeit, die Kirche noch zu besonderen Anlässen zu nutzen, gab den Hüttenheimer Chören, Kirchenchor und „TonArt“, die Gelegenheit, ihrer musikalischen Arbeit nachzu­kommen. Das änderte sich auch nicht, als dann die Anstellung von Andreas Rabeneck als Chorleiter nicht mehr möglich war. Der Chor entschied sich, ihn auf Honorarbasis weiter zu beschäftigen.

Der Vorstand der Chorgemeinschaft musste aber in diesem Jahr einen weiteren Beschluss vorbereiten. In den letzten Jahren verzeichnete der Kirchenchor von Maria Himmelfahrt einen Mitgliederschwund durch sein zunehmend höher werdendes Durchschnittsalter und auch das Ausscheiden von Sängerinnen und Sängern, der zum Handeln zwang. Die Frage der Auflösung des Chores sollte entschieden werden, solange man noch sagen konnte, schade, dass das so sein muss. Die große Tradition verbot es zu warten, bis es heißen würde, der konnte sich nicht mehr hören lassen.

So gab es am 28. Juni diesen Jahres in Maria Himmelfahrt gleich zwei Schlusspunkte. Zum Einen feierte man die definitiv letzte Messe in der Kirche, da der Bischofsbeschluss nun komplett umgesetzt wurde. Zum Ander­en war das auch die letzte Messe, die der Kirchen­chor musikalisch gestaltete. Es war eine bewegende Feier. Trotz der bewusst hoffnungs­vollen und zum größten Teil fröhlichen Lieder war die traurige Bewegtheit zu spüren, dass nun räumlich und musikalisch ein Endpunkt gesetzt wurde. Schmerzlich war dabei allen bewusst, dass man im Dezember auf 90 Jahre im Dienste der Musica Sacra hätte zurück­blicken können.

Mit einem Tagesausflug, der den Raum, unser Revier, und die sehr menschlichen Freuden eines Sängers in den Vordergrund stellte, begann am Sonntag, dem 13. September, das endgültige Abschied nehmen der Chorgemeinschaft. Mit einem Linienbus ging es zum Anleger der „Weißen Flotte Duisburg“ in der Stadtmitte zum Schwanentor. Mit der „Gerhard Mercator“ drehten die Sängerinnen und Sänger und ihre Familienangehörigen eine Runde durch den neuen Innenhafen. Auch der Diözesanvorsitzende, Klaus Kottenberg, hatte es sich nicht nehmen lassen, den Chor auf dieser Fahrt zu begleiten. Dann fuhr das Schiff hinaus auf den Rhein und weiter auf die Ruhr.

Am Mülheimer Wasserbahnhof hieß es Umsteigen, da das Duisburger Schiff zu breit für die weiteren Schleusen war. Die „Heinrich Thöne“ brachte die Gruppe von Mülheim nach Essen, vorbei an der Basilika des Heiligen Ludgerus, dessen 1200 Jahrfeier wir in diesem Jahr begehen, mit Ziel Baldeneysee. Dort wanderte man zum nächsten Beförderungsmittel, der historischen Hespertalbahn. Ein bisschen Bewegung tat allen gut und schaffte Platz für Kaffee und Kuchen auf der Weiterfahrt mit dem Schiff von Kupferdreh bis zum Mülheimer Wasserbahn­hof. Für den letzten Teil des Heimwegs sorgte wieder der Linienbus. Nach vielen Umarmun­gen verabschiedete man sich bis Dienstag, dem langjährigen Probentag. Dort sollte der endgültige Schlusspunkt gesetzt werden.

Diesmal sah die Probe anders aus: Man traf sich in einem gemütlichen Lokal mit guter Küche. Der Vorsitzende des Chores, Bernhard Wissen, dankte in seiner Rede dem Chor für die schöne Zeit. Er hoffe nun auf viele andere Begegnungen mit den jetzt „ehemaligen“ Mitgliedern.

Auch an diesem zweiten Teil des Abschieds nahm der Diözesanvorsitzende des Cäcilienverbandes Klaus Kottenberg teil. Er betonte seine über die vielen Jahre entstandene Verbun­den­heit zum Chor und bedankte sich für das langjährige Engagement für die Musica Sacra und für die Teilnahme an so vielen Veranstaltungen wie Katholikentagen, Rom- und Israelfahrten.

Jedes Chormitglied erhielt ein Bronzekreuz mit der Aufschrift „Wir sind Gottes Melodie“. Als Zeichen der Verbundenheit über so viele Jahre hinweg überreichte Herr Kottenberg jedem noch eine rote Rose.

Chorleiter Andreas Rabeneck wird seinen Chor noch lange vor Augen haben. Seine Sängerinnen und Sänger überreichten ihm ein Gruppenfoto von der Abschlussfahrt mit allen Unterschriften und eine wunderbare Kollage einer Künstlerin aus den eigenen Reihen, Barbara Biela-Kienle, darin eingebettet das Lied „Immerfort will ich singen“.

So gab es zum Schluss doch noch die eine oder andere Träne, herzliche Verabschiedungen und immer wieder den Wunsch, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Diese Bitte liegt auch Klaus Kottenberg am Herzen: „Denn wir sind über Jahrzehnte auch eine soziale Gemeinschaft geworden, die immer für einander einstand.“ Einige Sängerinnen und Sänger werden oder sind schon in einen anderen Chor eingetreten, andere suchen noch, einige haben sich aus persönlichen Gründen entschieden nun mit dem aktiven Singen in einem Chor aufzuhören. Der Leiter bzw. „Kapitän“ Andreas Rabeneck ging von der Brücke mit den Worten: „Danke an die Chorgemeinschaft Maria Himmelfahrt für eine wunderschöne Zeit.“  (e.B.)