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Ich gestehe es gerne: Als ich die Einladung zum großen Chor-Konzert in der Schalke-Arena in den Händen hatte, war ich skeptisch. Mit 60.000 Sängerinnen und Sängern gemeinsam singen?
Das mochte ein neuer Weltrekord sein, ein weiteres Massenevent, nach dem Menschen heute so lechzen. Aber sollte das mit Kultur zu tun haben, gar noch - wenigstens in Teilen - mit musica sacra?
Als kurz nach 20.30 Uhr die "ungezählten" Stimmen die Arena in einen klingenden und schwingenden Raum verwandelt hatten, war plötzlich alle Skepsis verflogen. Das Wunder einer tönenden, lichtvollen, geheimnisvollen Welt wurde Wirklichkeit. Jeder war mithineingenommen. Nur zuhören und zuschauen waren nicht möglich. Welche Anziehungs- und Verwandlungskraft Musik, vor allem das Singen, haben kann, konnten hier alle an Leib und Seele erleben.
Ich musste unwillkürlich an das "himmlische Jerusalem" denken. Das letzte Buch der Bibel beschreibt es in faszinierenden Farben als eine "Stadt", die nur noch Gesang ist, mächtig und hinreißend. Vielleicht war das, was ich in diesen Stunden erleben durfte, ein Vorgeschmack der himmlischen Stimmen.
Ca. 9.000 Sängerinnen und Sänger aus den katholischen Cäcilien-Verbänden waren zu dem "Day of Song" gekommen. Das könnte einen stolz machen, nicht überheblich. Und das darf es auch. Denn es ist hörbares Zeichen von Leben, von Lebensmut und Lebenszeugnis!
Genau das tut uns gut - in turbulenten Zeiten. Denn wir haben eine frohmachende und heilende Botschaft unseres Gottes - für uns und für die anderen. Von ihr müssen wir reden, weil sie uns trägt. Und: Wir müssen von ihr singen.
Denn im Gesang lernen wir die Intimgeschichte unseres Glaubens kennen.
Dr. Wolfgang Bretschneider
Präsident des
Allgemeinen-Cäcilien-Verbandes
für Deutschland |